Sonntag, 17. November 2013

MM-Präparation 8: Formatierung (4)




Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.

(Fortsetzung)


Heute ein paar Zeilen zum Formatieren mit Zangen und Scheren. Sie kommen zum besonders zum Einsatz, wenn nach dem Trimmen noch geringe Reste der Matrix entfernt werden sollen. Für solche Feinarbeit – besonders zum Erzeugen einer gewissen „ästhetischen Balance“ der Ministufe -  sind sogar Präzisions-Trimmer (siehe Posting „MM-Präparation 7“) zu grob. 

Abb. 1. Rabitzzangen

Prinzipiell bieten sich als zunächst Kneifzangen, Seitenschneider und Scheren an, die zum Draht-, Drahtstift- und Blechschneiden eingesetzt werden (Rabitz-, Flechter- bzw. Monierzange, Abb.1). Sie sind unschlagbar preisgünstig. Das Feinformatieren geht schnell und sauber bei relativ geringem Kraftaufwand (Hebelwirkung).
Allerdings ist deren Einsatz nur bei weicher Matrix (Schiefer, Mergel, Kalke u.sw.) vertretbar; der in diesen Werkzeugen verwendete Stahl ist für die üblichen harten Gesteine zu „weich“. Und: Sofern die zu formatierenden Stücke keine planen Flächen aufweisen, rutschen die Schneiden leicht ab und hinterlassen hässliche Schrammen.
Sinnvoller ist hier die Verwendung von Zangen speziell aus dem Fliesenlegerbedarf. Die Schneiden bestehen meist aus (öl-)gehärteten, hochlegierten Spezial-Werkzeugstählen in Sondergüte oder Hartmetalleinsätzen, die lange den hohen Belastungen stand halten. Auch hier können die Zangenhebel nicht lang genug sein.

Ich persönlich bevorzuge Zangen, bei denen die Schneiden stets parallel zur Zangendrehachse und zueinander liegen. Beim Schließen sitzen die Schneiden – trimmertypisch – deckungsgleich aufeinander (Kneif- oder Beißzangen). Im Gegensatz dazu stehen Scheren (z.B. Seitenschneider). Das Handling mit diesen Scheren kann sich als schwierig erweisen, denn durch die hohe Kerbwirkung und dem leicht versetzten Angriff der Schneiden sind ungewollte Spaltungen der Matrix vorprogrammiert. Der Arbeitsbereich beschränkt sich meist nur auf die ersten 20% der Schneiden-Spitzen.

Abb. 2. Spezialzangen für Fliesenleger … und: Mikromineralsammler

Harter Schneiden-Werkstoff – meist Wolframkarbid – hat auch seine Grenzen in der eigenen Sprödigkeit. Besonders das „Abknabbern“ kleiner Stücke harter Quarzmatrix führt recht schnell zum Verschleiß der Schneiden. Besonders die Ecken der Schneiden brechen schnell aus. Wählen Sie daher Werkzeuge ausschließlich zum Bearbeiten von keramischen Fliesen (oder Mosaiken).


Zangen sind kein Ersatz für Trimmer

Das Formatieren mit Rabitz- bzw. Fliesenlegerzangen erfordert einiges Geschick und ist nur bei kleinen Stüfchen anwendbar, deren Größe bei max. 2 cm liegt. Zwar lassen sich bei vollständig geöffneten Schneiden („Maul“) auch größere Rohlinge einspannen, allerdings sind dann die Enden der Zangengriffe (max. Hebellänge) soweit voneinander entfernt, dass Sie es nicht schaffen, beide Zangengriffe mit einer Hand zusammenzudrücken. Ich gehe davon aus, dass auch Sie keine große „Affenpranken“ haben.
                Möglich wäre es, einen Zangenschenkel bzw. –griff (und somit eine Schneide) fest auf dem Untergrund zu fixieren, z.B. festzuklammern oder anzuschweißen. Sie erhalten dann letztendlich einen „Primitiv-Trimmer“ (Anstelle dessen sollten sie lieber einen fertigen Präzisions-Trimmer einsetzen).

Abb. 3. Formatieren ungünstig geformter Matrix
(zum Vergrößern bitte anklicken)


Schweizer Schoki ohne Grip

Knacken, Trimmer und Zangen scheitern öfters bei harten Rohlingen (Granit, Quarz, Grauwacke), deren gegenüberliegende Flächen nicht ausreichend parallel zueinander liegen oder durch ihre Form und/oder Oberflächenbeschaffenheit so widrig sind, dass die gegenüberliegenden Schneiden keinen rechten „Grip“ finden und unter Druckausübung auf die Oberfläche seitlich abrutschen (siehe Abb. 3a). Die Folge  ist eine ramponierte Oberfläche der Stufe, öfters auch eine Beschädigung benachbarter Kristalle und eine signifikante Verschlechterung der Standzeiten des Schneidegeräts. Rohlingen oder Stufen in Form eines dreiseitigen Prismas („Toblerone®-Form“) oder – ganz böse – Tetraeders sind solche gefürchteten Kandidaten zum Formatieren. Ich säge hier auf beiden gegenüberliegenden Seiten der Stufe mit einem kleinen Modellbau-Trennblatt eine kleine, nicht sehr tiefe Nut in Länge der Zangenschneiden-Breite (siehe Abb. 3b). In die gesägten Nuten greifen später die Schneiden sicher ein. Das seitliche Abrutschen wird verhindert, der Druckaufbau - und somit der Bruch - erfolgt an der gewünschten Stelle (vgl. Abb. 3c).

Zangen haben allerdings auch ihre Tücken: Im Normalfall halten Sie die Zange in der einen, die zu formatierende Stufe in der anderen Hand. Oft legen Sie diese Hand auch noch schützend um die Stufe, damit deren Bruchstücke nicht durch den Raum schießen (Handschuhe tragen!). Eine visuelle Kontrolle des Formatierungsvorganges ist manchmal nur schwer möglich. Auch wird es Ihnen nicht gelingen, nachdem Sie die Zangenhebel zusammengedrückt haben und die Stufe an der (hoffentlich) gewünschten Stelle gebrochen ist, die Schließbewegung der beiden Zangenschneiden sofort zum Stillstand zu bringen. Es besteht – wie schon bei den hydraulisch betriebenen Knaggen – die Gefahr eines gewissen Nachlaufens der Schneiden und somit akute Verletzungsgefahr.
Ich rate daher, Zangen letztendlich nur für den letzten Feinschliff, zum Abknabbern störender Matrixreste einzusetzen und Grobformatierungen den Knaggen und Trimmern vorzubehalten. Behalten Sie stets die Kontrolle über den Schneidvorgang: Stellen Sie sicher, dass Sie jederzeit die Zangenschneiden bzw. das Zangenmaul im direkten Blickfeld haben. Dann werden Sie Zangen als nützliches Werkzeug für die Feinarbeit an Mikromineralstufen schätzen lernen.


BEIM FORMATIEREN SCHUTZBRILLE TRAGEN!


 (wird fortgesetzt)




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